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Auf anderen Pfaden V – Mutige Lebensgeschichten

AUSGABE 5 // 30-08-2017

7. September 2017

Der Sommer meint es gut mit uns und schenkt uns seinen letzten warmen Tag für die fünfte Ausgabe von Auf anderen Pfaden. Im Garten des Hostel Eden flattern zitronengelbe Wimpel und Lichterketten erleuchten. Die Damen vom Eden kredenzen wieder leckere Getränke und die Vleischerei fährt ihre Köstlichkeiten auf.

An diesem Abend wollen wir gemeinsam mit Euch Utopien erleben. Aber nicht irgendwelche, sondern Utopien, die bereits gelebt werden. Hierzu haben Ingrid und Fritz Hundt einiges zu erzählen. Denn sie besitzen einen Garten, der ihnen gar nicht gehört. Utopisch, oder?

Fritz Hundt scheint ja schon überall gewesen zu sein. Seine Erzählung leitet er mit einer Kuriosität über das Hostel und ein Schwein ein, welches dort mal illegaler Weise im Garten gehalten wurde.  Mit einem schelmischen Lachen folgt auch sogleich die Aufforderung „Na, das war ‘n Beifall wert“. Fritz Hundt wurde 1941 als eines von sieben Kindern geboren. Wie viele Familien dieser Zeit, flüchtete die seine 1946 über Görlitz nach Leipzig. Hier lebt der ehemalige Lehrer auch heute noch mit seiner Ingrid in Grünau. Ingrid war früher Kindergärtnerin, und ist es bis heute, sagt Fritz und deutet dabei auf sich.

Die Dynamik des Paares verzaubert uns alle. Es wird klar, dass die beiden schon immer interessiert an ihrer Umwelt waren und sich diese Neugier bis ins Alter bewahrt haben. Fritz hat so viele Standbeine, von einer eigenen Ausstellung bis zu Friedhofsführungen, da driftet er in seinen Erzählungen gerne mal von seinem utopischen Garten ab. Doch daran stört sich keiner. Alle lauschen gespannt den Geschichten des witzigen Herren. Doch wie begann die Sache mit dem Garten? Ingrid sagt, zunächst haben sie kleine Baumsenker auf die Parkplatzinsel gepflanzt, doch diese wurden schnell von den Kindern zum Spielen „herausgezottelt“. Davon haben sich die Hundts nicht irritieren lassen. Heute ist der Hundtsche Park eine Anlaufstelle für die Bewohner der umliegenden Plattenbauten geworden. Ob Kindergartengruppen oder Radausflügler, Menschen kommen von überall zu Besuch und erfreuen sich das ganze Jahr an dem liebevoll gestalteten Park.

Wir hätten den beiden noch ewig zuhören können. Am Ende gibt es für uns alle noch einen wichtigen Tipp in Sachen Beziehung: „In jeder Ehe braucht man Raum und Abwechslung. Aber vor allem: macht etwas zusammen und bleibt kreativ“. Welch schönes Schlusswort. Besucht die Hundts in ihrer Oase mitten in Grünau im Frankenheimer Weg.

Hier erfahrt Ihr noch mehr zu Fritz und seinen anderen Standbeinen: http://www.gruen-as.de/2014/47/artikel1.html

Eigene Utopien schaffen und Leben

Greta Taubert ist die Frau, die die Zeit verschwendet. Die Frau, die Utopien nicht scheut, sondern ausprobiert. Doch bevor uns die junge Journalistin davon erzählt, schreit sie uns erstmal den Refrain des KIZ Songs „Hurra die Welt geht unter“ entgegen und spielt mit uns eine Art apokalyptisches Tabu. Bähm, wir sind wach.

Apokalypse, häh? Beim thüringischen Familienessen, an einem überladenen Tisch, der an Völlerei grenzte, sitzt sie ihrem Urgroßvater, Großvater und Vater gegenüber. Alle drei hatten unterschiedliche Ideologien durch- und überlebt. Wie können wir uns so sicher sein, dass dieses jetzige System bestehen bleibt? Sind wir gewappnet für eventuelle Einschnitte in unserem Leben? Können wir ohne Konsum überleben? Und schwupp, war die Idee des Selbstversuchs geboren.

Ein Jahr Konsumverzicht. Aber wie geht das? Greta hat bei dieser Utopie vieles (über sich) gelernt. Sie kennt die besten Orte zum Containern, stand vor der Herausforderung Feinstrumpfhosen zu reparieren und kann jetzt jagen. Die Erkenntnis des Ganzen: was ist eigentlich dieses Hobby namens Shopping? Ich brauche nicht unbedingt Geld, wenn ich die Möglichkeiten um mich herum nutze. Ich kann verzichten.

Für dieses Experiment erhielt Greta viel Lob und Bewunderung. Wieso machen es dann nicht alle einfach? „Dafür habe ich keine Zeit“ war viele Male die Antwort. Und so stand das nächste Projekt auch schon fest. Sie wollte Zeitmillionärin werden. Ein Jahr lang sagte sie alle Aufträge ab und hatte Zeit um nichts zu tun. Dass das auch nicht das Gelbe vom Ei ist, kann man sich recht schnell vorstellen. Also entschied sie sich, andere Zeitwohlständler zu treffen. Mittlerweile steht Greta wieder in Lohn und Brot, aber auch dieses Experiment hat ihr viele neue Einsichten gewährt. Sie nimmt Zeit nun reflektierter wahr, nutzt diese anders und gönnt sich auch ab und an mal das gepflegte Nichtstun.

Auf die Frage wie sich ihr Leben in Sachen Zeit und Konsum mittlerweile gestaltet, bekommen wir die Antwort: „Die Paste geht nicht mehr zurück in die Tube“. Mit ein paar kleinen Tricks kann jeder sein Leben und seinen Alltag in Details verändern. Wir probieren auf jeden Fall einige aus, weil Zeit kann schließlich jeder gebrauchen.

Tipps von Greta, ihre Utopien und ihre Bücher: http://www.greta-taubert.de/

Mittlerweile ist es dunkel geworden, doch noch immer ist es wunderbar warm. Wir lassen den Abend mit tollen Gesprächen und kühlen Getränken ausklingen und freuen uns schon auf das nächste Mal. Denn eines ist ganz und gar nicht utopisch: „Auf anderen Pfaden VI“.

Text: Liesa.