Auf anderen Pfaden VIII

AUSGABE 8 // 22-08-2018

29. August 2018


Der Teppich vor der Bühne ist entrollt und erinnert fern an die Geschichten aus Tausend und einer Nacht. Er lädt ein zum Niederlassen und Lauschen. Auch das 8. Mal Auf anderen Pfaden bringt faszinierende Personen auf die Bühne. Das Faszinierende? Es sind Personen wie Du und ich. Das Besondere? Sie trauen sich auf anderen Pfaden zu gehen und nehmen uns für einen Abend mit. Unsere Gäste Daniel Suchefort und Arseny Knaifel haben dabei einiges gemeinsam. Sie zeigen uns, dass der rote Faden unseres Lebens wir selbst sind. Wer weiß, am Ende des Abends beginnen wir selbst, die Abzweige zu anderen Pfaden in unserem Leben zu sehen.

Es ist Sommer, es ist warm, die Hostel Girls verführen uns zu eisgekühlter Himbeerbowle und die Vleischerei lockt uns mit feinsten Wraps. Erst einmal ankommen, erst einmal genießen und einen Platz in den ersten Reihen sichern. Wir sind immer wieder gespannt, wen verrückte Lebensgeschichten genauso begeistern wie uns. Auch heute sind es viele, sie strömen nur so herein.

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Daniel betritt die Bühne. Groß gewachsen und mit Basecap passt der junge Hamburger erst einmal gar nicht in unsere Vorstellungen eines typischen Sattelbauers. Aber haben wir je zuvor einen  anderen Sattelbauer getroffen? Auch nicht. Daniel begeistert das Publikum direkt mit dem ersten Spruch und so dankt ihm jeder seine sympathische Art, um in den Abend zu starten.

Na klar, das kann ich!

Er erzählt uns davon, wie er bei seinem Opa in der Werkstatt die Liebe zum Handwerk entdeckt. Mit 28 Jahren gibt er seine erfolgreiche Karriere als Ingenieur für Medizintechnik, ein gemütliches Leben, seine Band, Familie und Freunde in Hamburg auf, um nach Australien zu gehen. „Dannyboy, Du musst wissen, was Du willst.“ Sprüche wie dieser haben ihn wachgerüttelt. Das erste Mal alles zu verkaufen und hinter sich zu lassen, war gar nicht so einfach. Aber was unmöglich schien, ging eben doch. Drei Jahren Leben und Arbeiten in Australien, Strand und Sonne, Segeln und Surfen, Eindrücke und eine 2. Karriere als Produktdesigner. Danach das zweite Mal die Bande abbrechen, fiel schon leichter. Daniel ging auf Weltreise, lernte Menschen und Länder kennen, baute Trommeln in Südamerika und machte eine Ausbildung zum Yogalehrer. Er arbeitete als Cowboy in Kanada und wurde hier inspiriert, eigene Wanderreitsättel zu fertigen. Mit diesen möchte er Menschen ermutigen, auszubrechen. Genau das macht er jetzt in Leipzig und wir von Zitronengrau unterstützen ihn mit dem Aufbau seiner Marke Inland (bald auf unserem Blog).

Daniel meint, jeder kann sich entscheiden zwischen „Warrior“ und „Worrier“, d.h. zwischen Krieger und Zweifler. Wow! Sollte es wirklich so einfach sein? Daniels Leben ist beneidenswert vielfältig. Können wir das auch? Wir lernen von ihm, wie wichtig es ist, sich selbst etwas zuzutrauen und dabei zu finden, was einen glücklich macht. Danke Daniel!

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Mit Arseny kommt die Dunkelheit und damit die gemütliche Beleuchtung des herrlichen Hostelgartens. Arseny ist Energie und Genuss. Seine Präsenz drückt Erfahrung aus und auch die Bilder, die er mitbringt, sind umwerfend. Er ist Filmemacher, das wundert uns nicht. Der Kulturbotschafter aus Leidenschaft nimmt uns mit in seine Welt.

In Russland geboren, wächst Arseny in Berlin auf. Als Großstadtschnauze liebt er den Rap und die verschiedenen Kulturen. Seine Liebe zu Mangas und Animes verleitet ihn zur Japanologie, während seine Mutter das aufkommende China für eine bessere Zukunft für ihn hält und ihm die erste Chinareise spendiert. Dann also Sinologie, das ist schließlich auch eine Logie. Wenige Monate später, beginnt er in China eines Abends in Bierlaune mit seinen Deutschen Kommilitonen einen chinesischen Rap zu schreiben. Stunden später sind sie die neuen Stars des Chinesischen Youtubes. Arsenys Leben als Kulturbotschafter beginnt. Sein ansteckendes Lachen verrät uns viel über die Offenheit, mit der er diese Passion lebt. Er wird eingeladen zu Talk Shows und auch die Deutschen Medien wollen diese jungen Kerle interviewen. Feichang Fresh gibt es noch und sie sind die coolsten Repräsentanten eines kulturellen Austausches, die wir uns vorstellen können.
Rap statt Blasmusik. Na endlich!

Arseny hat heute die Deutsch-Chinesische Plattform Sinonerds gegründet, die uns Lust auf China macht fernab von Schwarz-Weiß-Malerei und Faktenmainstream. Ihm ist wichtig, dass wir China als eigenständige Kultur wahrnehmen mit mehr als nur wirtschaftlichen Interessen und Chinas Einwohner als wunderbare Individuen. China hat mehr zu bieten als die dunkle Seite, die uns so gern präsentiert wird. Danke Arseny!

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Im Mondschein lassen wir den Abend ausklingen. Es sind so viele Fragen, die noch schnell an unsere beiden Gäste gestellt werden wollen. Wir danken allen, die dabei waren und laden Euch dazu ein, uns Menschen zu nennen, die auch auf anderen Pfaden wandeln (schreibt uns an: hallo@zitronengrau.design).

Wir schließen mit einer Frage an die beiden Männer: Was ratet ihr Menschen, die sich unsicher sind? Daniel und Arseny sind sich einig: Umgib Dich mit Menschen, die dieselben Zielen verfolgen wie Du, umgib Dich mit Menschen, deren Energie Dir gut tut. Und! Wenn Dich Deine Freunde nicht auf Deinen Wegen unterstützen, dann hast Du vielleicht die falschen Freunde.

Vielen Dank für diesen bemerkenswerten Abend. Wir gehen wie immer reicher!

 

Text: Anne.
Fotos © annabelle-sagt.