Ungeahnt lebendig

Der Trabant ist ein gefragter Oldtimer

4. Oktober 2018


oder auch
Unsere verrückte Trabi-Fahrt durch den Berliner Stadt-Trubel

Begehrt, berühmt, belächelt. Als Wendekinder wissen wir natürlich, was es bedeutet, Trabi zu fahren. Es knallt und es stinkt, die Konstruktion ist simpel und der Tank schnell leer. Plötzlich ist der Trabi wieder Kult. Der Trabant als Zeitzeuge der deutschen Einheit. Das ist nicht nur für Touristen spannend, sondern auch für die Deutschen selbst.

Unser Kunde Trabi Safari bietet Trabant-Touren überall in Deutschland und trifft damit den Ostalgie-Nerv der Zeit. Das wollen wir genauer wissen und fahren selbst nach Berlin, um die „Rennpappe“ zu testen.

 

Wir steigen ein und die Reise in die 70er/80er Jahre kann beginnen. Alles ist dünn verschalt und mit Stoff überzogen. Der Fußraum ist komplett offen, sodass die Wasserflasche vom Beifahrer zum Fahrer kullert. Die Rückbank trägt ihren Namen zurecht, denn sie sieht gemütlich aus, ohne Gurt und ohne Sitzabgrenzung. Alles ist einfach und mittlerweile ein Oldtimer.

Nach einer Einführung in die Hebelschaltung – ziehen, drücken, hoch oder runter – fahren wir langsam vom Platz. Die ersten Meter können wir unserem Tour-Guide drei Wagen voraus, der uns per Walki-Talki zugeschalten ist, noch nicht ganz folgen. Denn die manuelle Lenkung, der lange schwerfällige Bremsweg und der Großstadtverkehr erfordern alle Aufmerksamkeit von Fahrerin Anne. Doch es braucht nicht lange und die Wendezeit wird wieder lebendig, denn an der ersten Ampel hat uns der eigene blaue Auspuff-Qualm eingeholt. Es riecht nach Zweitakter und Abenteuer.

Für das richtige und ganz große Gefühl:
Sonja Schmidt, Ein himmelblauer Trabant (1971) 

Vorbei an Reichstag, Siegessäule und Checkpoint-Charlie, wo immer wir fahren, sind wir beliebtes Foto-Motiv. Mittlerweile fährt Anne den P601 als hätte sie nie ein anderes Gefährt besessen. Bei geöffnetem Fenster winken und strahlen wir um die Wette. Es macht unfassbar viel Freude. Dabei haben wir den meisten Spaß beim Aufnehmen lustiger Videos und Selfies. Oder dabei, uns an die Wagen unserer Eltern zu erinnern. Der Trabi von Annes Eltern war himmelblau und ein Teil ihrer Familie. Gehegt, gepflegt und selbst repariert. Dabei ist ihr heute ein Rätsel, wie sie zu viert mit Gepäck in dem kleinen Auto Platz hatten.

Nach zwei Stunden durch den Berliner Verkehr geht es zurück an unseren Startpunkt. Wir sind kaputt und glücklich über unsere Zeitreise. Der Trabant ist heute mehr als das Symbol der DDR. Er hilft, uns zu erinnern und macht die gesamtdeutsche Geschichte lebendig und greifbar.

Text: Anne